FULBRIGHT ALUMNI E.V.
The German Fulbright Alumni Association
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Welcome Meeting 1999 "40+10"

29.-31. Oktober 1999 in Leipzig

Die Bildergalerie ist da!

Bettina Kaltenhäuser

40 + 10 -- German Culture Shocks

Die Regionalgruppe Suedost des Fulbright Alumni Vereins hatte nach Leipzig geladen – und 120 Fullies kamen. Uns erwartete ein abwechslungsreiches und ausgesprochen interessantes Rahmenprogramm rund um Leipzig und seine Rolle bei dem Umbruch in Deutschland vor 10 Jahren.

Freitag abends hatten wir die erste Gelegenheit, bei ein paar Glaesschen Sekt Ausschau nach bekannten Gesichtern zu halten und neue Kontakte zu knuepfen. Das inhaltliche Programm begann am Samstag vormittag im Neuen Rathaus mit einer Begruessungsansprache des amerikanischen Generalkonsuls in Leipzig, Timothy M. Savage, und einem Willkommensgruss von Frau Securius-Carr als Vertreterin der Fulbright Kommission. Anschliessend stellten sich der Fulbright Alumni Verein und die Regionalgruppe Suedost kurz vor.

Naechster Programmpunkt war die Rede von Herrn Dr. Hinrich Lehmann-Grube, ehemaliger Oberbuergermeister der Stadt Leipzig und Fulbrighter der ersten Stunde; er sprach ueber "Wendepunkte Leipzigs." Seine Darstellung liess ahnen, welcher organisatorische Kraftakt hinter dem Aufbau, bzw. der voelligen Neuorganisation einer Stadtverwaltung steckte. In seiner Bilanz des Wiedervereinigungsprozesses kritisierte er, man habe in Ostdeutschland nach der Wende zu viele westdeutsche Strukturen unmodifiziert uebernommen. So seien die Ostdeutschen ueber Nacht Fremde im eigenen Land geworden -- die bekannte Konsequenz: German Culture Shocks!

Dann sprach Herr Dr. Hans-Juergen Sievers, Pfarrer der Reformierten Kirche, und "Mann der ersten Demonstrations-Reihe." Pfarrer Sievers zeichnete "das Wunder von Leipzig" nach: Von 1982, den Anfaengen der Friedensgebete im kleinen Kreis in der Nikolaikirche, bis hin zur Massenkundgebung mit 70.000 Demonstranten am 9. Oktober 1989. Dabei erfuhren wir eher beilaeufig, dass die Bilder, die von dieser historischen Demonstration um die Welt gingen, Pfarrer Sievers Geistesgegenwart und Courage zu verdanken sind. Sein sehr anschaulicher Bericht vermittelte auch einen Eindruck des Lebens zu DDR Zeiten - z.B. schickte Pfarrer Sievers in der Umbruchsphase Fahrradboten von Kirche zu Kirche anstatt dort anzurufen, denn am Telefon, "da hatten zu viele einen Hoerer in der Hand." Er beschrieb auch die aengstliche Besorgtheit der Demonstranten, jegliche Gewalt – auch von eventuell eingeschmuggelten Stasispitzeln in den eigenen Reihen -- zu unterdruecken. Die Nerven waren offenbar so gespannt, dass schon das Umfallen einer leeren Wasserflasche "Keine Gewalt! Keine Gewalt!- Rufe" ausloeste…. Am Ende bedankten die Fullies sich mit langanhaltendem Applaus – nicht nur fuer den beeindruckenden Vortrag von Herrn Pfarrer Sievers.

Nach einem leckeren Mittagessen verteilten wir uns auf drei Workshops: das Diskussionsforum Culture Shocks, den Fotoworkshop 51st State of America oder den Vortrag von BCG How to become a Management Consultant. Nachmittags lernten wir Leipzig dann naeher kennen – im Rahmen einer klassischen Touritour, auf den Spuren des Bauloewen Schneiders oder bei einer Fahrt in einer historischen Strassenbahn mit dem klangvollen Namen Rumbalotte.

Das Programm naeherte sich schliesslich dem Punkt, wo jeder seine Kreativitaet unter Beweis stellen musste: Welches orangene Accessoir wuerde einem Einlass zur Halloween-Party verschaffen?! Dem Einfallsreichtum waren kaum Grenzen gesetzt – egal, ob mit orangenem Handtuch auf dem Kopf, orangenen Peruecken, anmontierten Kuerbissen oder in diversen schrillen Kleidungsstuecken – jeder war irgendwie orange und jeder war irgendwie gut drauf – klasse Party!

Sonntag morgens traf man sich beim ueppigen Brunch, betrachtete Amerika-Fotos und liess Revue passieren – das USA-Jahr und das Leipzig-Wochenende. Und allerspaetestens jetzt merkte man, dass praktisch alle Returnees, aber gerade wir aus dem 98/99er Jahrgang, erstmal die gleichen Probleme hatten: Wir sind erbost ueber die ruepelhaften Autofahrer auf deutschen Strassen, wir alle sind mit Einkaufen, Bezahlen und parallelem Einpacken voellig ueberfordert, und jeder ist kuerzlich mal an einer roten Ampeln rechts abgebogen… Und an dieser Stelle fiel mir dann auch mein ganz persoenlicher Titel fuer die Veranstaltung ein: 24 + 1 – German Culture Shock!

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Last modified: 24 May 2001 00:02:16 (CEST)